Sind Bengalkatzen hypoallergen?
Kurzantwort:
Bengalkatzen sind nicht hypoallergen im medizinischen Sinne, produzieren jedoch – wie alle Katzen – individuell unterschiedliche Mengen des Allergens Fel d 1.
Viele Interessenten fragen sich, ob Bengalkatzen hypoallergen sind. Gerade im Zusammenhang mit einer bestehenden Katzenallergie ist diese Frage verständlich und berechtigt.
Katzenallergie – immunologische Grundlagen und die Rolle von Fel d 1
Die Katzenallergie gehört zu den häufigsten inhalativen Allergien weltweit und stellt einen relevanten Grund dar, weshalb viele Menschen auf die Haltung einer Katze verzichten. Mit der zunehmenden Popularität bestimmter Rassen – darunter der Bengalkatze – wird häufig die Frage gestellt, ob es hypoallergene Katzen gibt.
Aus immunologischer Sicht existiert keine vollständig hypoallergene Katzenrasse.
Eine Katzenallergie wird nicht durch das Fell selbst ausgelöst, sondern durch spezifische Proteine (Allergene), die vom Organismus der Katze produziert werden.
Was bedeutet „Fel d“?
Die Bezeichnung „Fel d“ leitet sich ab von:
Fel = Felis
d = domesticus
Sie bezeichnet somit Allergene, die von der Hauskatze stammen.
Hauptallergene der Katze
Laut der WHO/IUIS Allergen Nomenclature Database sind mehrere Katzenallergene identifiziert:
Fel d 1
Ein sekretorisches Protein aus der Familie der Secretoglobine.
Es wird überwiegend in Speicheldrüsen, Talgdrüsen und perianalen Drüsen produziert.
Fel d 1 gilt als das klinisch dominante Katzenallergen.
Bei etwa 80–95 % der Patienten mit klinisch relevanter Katzenallergie lassen sich spezifische IgE-Antikörper gegen Fel d 1 nachweisen.
Fel d 2
Ein Serumalbumin.
Albumine sind Transportproteine im Blut und können bei verschiedenen Säugetieren als Allergene wirken.
Fel d 2 zeigt teilweise Kreuzreaktivität mit Serumalbuminen anderer Tierarten.
Fel d 3
Ein weiteres Serumprotein mit vergleichsweise geringerer klinischer Relevanz.
Fel d 4
Ein Lipocalin-Protein, das in den Speicheldrüsen produziert wird.
Lipocaline stellen eine häufige Allergenfamilie bei Säugetieren dar.
Immunologischer Mechanismus
Die Katzenallergie ist eine IgE-vermittelte Typ-I-Hypersensitivitätsreaktion nach Gell und Coombs.
Der Ablauf umfasst:
Sensibilisierung:
Das Immunsystem bildet spezifische IgE-Antikörper gegen Katzenallergene.
Reexposition:
Das Allergen bindet an IgE, das auf Mastzellen fixiert ist.
Mastzell-Degranulation:
Freisetzung von Histamin und weiteren inflammatorischen Mediatoren.
Klinische Symptome:
Rhinitis, Konjunktivitis, Asthma bronchiale oder Urtikaria.
Wie gelangt Fel d 1 ins Fell?
Katzen verteilen beim Putzen Speichel über das Haarkleid.
Dadurch gelangt Fel d 1 auf das Fell, auf Hautschuppen (Dander) sowie in die Umgebung.
Das Fell fungiert als Trägermedium, nicht als primäre Allergenquelle.
Nach dem Trocknen werden mikroskopische Proteinpartikel luftgetragen, können eingeatmet werden und bei sensibilisierten Personen Symptome auslösen.
Individuelle Unterschiede in der Allergenproduktion
Studien zeigen eine erhebliche interindividuelle Variation der Fel-d-1-Produktion.
Einflussfaktoren sind unter anderem:
- genetische Disposition
- hormonelle Einflüsse
- Aktivität der Talgdrüsen
Unkastrierte Kater produzieren im Durchschnitt höhere Mengen an Fel d 1 als kastrierte Tiere.
Nach einer Kastration kann die Allergenproduktion sinken.
Die Unterschiede zwischen einzelnen Katzen können größer sein als Unterschiede zwischen verschiedenen Rassen.
Gibt es hypoallergene Katzen?
Bislang liegen keine belastbaren wissenschaftlichen Belege vor, die eine klinisch relevante und verlässlich rassespezifische Reduktion von Fel d 1 nachweisen.
Alle Hauskatzen – unabhängig von Rasse oder Fellstruktur – produzieren die bekannten Katzenallergene, einschließlich Fel d 1, Fel d 2, Fel d 3 und Fel d 4.
Berichte über eine bessere Verträglichkeit einzelner Tiere sind möglich, beruhen jedoch auf individueller Variation und nicht auf einer gesicherten rassespezifischen Eigenschaft.
Zusammenfassung
Die Katzenallergie ist eine IgE-vermittelte Immunreaktion vom Typ I.
Das dominante Katzenallergen ist Fel d 1.
Das Fell ist nicht Ursache der Allergie, sondern Trägermedium.
Die Allergenproduktion variiert individuell erheblich.
Es existiert keine wissenschaftlich bestätigte hypoallergene Katzenrasse.
Die individuelle Verträglichkeit muss im Einzelfall getestet werden.
Als verantwortungsvolle und wissenschaftlich fundierte Zucht legen wir Wert auf transparente Information statt auf marketinggetriebene Versprechen.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Materialien
Die nachfolgenden Quellen dienen der wissenschaftlichen Einordnung der im Artikel dargestellten Inhalte und basieren auf international anerkannten allergologischen und immunologischen Publikationen.
WHO/IUIS Allergen Nomenclature Database
Offizielle internationale Datenbank zur Klassifikation von Allergenen, einschließlich Fel d 1 und weiterer Katzenallergene:
https://allergen.org/viewallergen.php?aid=319
Ramu U. et al. (2018).
Update on molecular and clinical aspects of cat allergy and its major allergen Fel d 1. Clinical and Translational Allergy.
https://link.springer.com/article/10.1186/s13223-018-0239-8
Lis R. et al. (2020).
Allergenic potency and immune mechanisms of Fel d 1 in cat allergy. Alergia Astma Immunologia.
https://www.alergia-astma-immunologia.pl/_en/2020_25_2/AAI_02_2020_1385_lis.pdf
Weiterführende Informationsquellen (allgemeinverständlich)
Allgemeine Übersicht zur Katzenallergie (Deutsch):
https://de.wikipedia.org/wiki/Katzenallergie
Übersicht zu Katzenallergenen (Englisch):
https://en.wikipedia.org/wiki/Allergy_to_cats
Autorin:
Agnieszka Piekarska